„Channel Zero: Candle Cove“: Wenn eine Kinderserie zur Horrorserie wird

Erstaunlich: Ich habe es geschafft, einen weiteren Blogeintrag in den Semesterferien online zu stellen. Doch genug mit dem Eigenlob, diesmal geht es um „Channel Zero“ – eine schöne kleine Horror-Anthologieserie von Syfy. Worum es geht und was mir daran besonders gefällt …

Ich bin ein großer Freund von Anthologieserien – also Serien, die eine abgeschlossene Handlung haben und sich im Idealfall in jeder Staffel neu erfinden. Die lassen sich hier und da beliebig im ohnehin schon völlig überfüllten Serien-Fahrplan einstreuen und man muss sich nicht nach jeder Staffel groß zurück daran zurückerinnern, was man da vor einem Jahr an einem Wochenende weggebingt hat. Insofern war ich sehr gespannt, was es mit „Channel Zero: Candle Cove“ auf sich hat – eine Syfy-Produktion aus den USA mit nur sechs Folgen, die hierzulande jedoch überraschenderweise eben nicht beim Pay-TV-Kanal Syfy, sondern beim Konkurrenten TNT Serie lief.

In der fiktiven Welt von „Candle Cove“ gibt es eine gleichnamige Kinder-Fernsehserie, die nicht nur Albträume bei ihren jungen Zuschauern verursacht, sondern auch deren Verhalten drastisch beeinflusst. Zu sehen sind gruselige Piraten-Puppen, die dann zum Beispiel dazu auffordern, über die Planke zu gehen oder in eine dunkle Höhle hineinzukriechen. Die Serie wurde in den 80ern nur einmal ausgestrahlt – und niemand weiß, von wem sie ausgestrahlt, geschweige denn produziert wurde. (Selbst die IMDb wird da nicht weiterhelfen können.) Eine Piraten-Sendung auf einem Piraten-Sender also, wie passend. Brisant: Bei ihrer Erstausstrahlung wurden im kleinen Städtchen Iron Hill bei Ohio fünf Kinder ermordet. Der Kinderpsychologe Mike Painter (Paul Schneider) vermutet, dass die Serie etwas damit zu tun haben könnte. Painter kommt also zurück in seine alte Heimat – und will endlich herausfinden, was damals wirklich passiert ist.

Dass dies schnell aus dem Ruder gerät, dürfte klar sein: So wird die ominöse Kinderserie just nachdem Mike in Iron Hill angekommen ist, ein zweites Mal gesendet und wieder geschehen Morde. Damit werden wir gekonnt in die Irre geführt und sollen glauben, dass Mike – der vermeintlich Gute – doch irgendwie darin verwickelt ist. Hinzu kommt ja noch, dass Mike psychisch instabil ist.

Im Laufe der Zeit lernen wir, dass Mike einen Zwillingsbruder namens Eddie hatte. Jungdarsteller Luca Villacis verkörpert sowohl den jungen Mike, als auch den jungen Eddie – und das übrigens sehr überzeugend. Eddie, der damals unter den Mordopfern war, ist allerdings auch heute noch allgegenwärtig – nicht nur in Mikes Gedanken. Er ist eine Schlüsselfigur bei dem Ganzen, so viel sei an dieser Stelle gespoilert. Eine Antwort auf die Frage, ob bzw. wie eine Kinderserie Kinder derart beeinflussen kann und warum Eddie diesem Einfluss möglicherweise besonders ausgesetzt war, liefert „Channel Zero“ immerhin in Ansätzen. Ob die glaubwürdig sind, sei mal dahin gestellt. Da der Fokus ohnehin vielmehr auf der verkorksten Beziehung zwischen Mike und Eddie liegt, kann man sich als Zuschauer gut mit den beiden Charakteren identifizieren, was bei einem Format mit nur sechs Folgen ja nicht gerade selbstverständlich und einfach ist.

Zudem kann man nicht behaupten, „Channel Zero“ habe keine spannende und innovative Grundprämisse – ich kann mich jedenfalls an nichts Vergleichbarem in der jüngeren Vergangenheit erinnern. (Sieht man mal von Filmen wie „Der Poltergeist“ oder „The Ring“ ab, wo der Fernseher ja auch eine tragende Rolle spielt.) Wenn man bereit dazu ist, die „Candle-Cove“-Story hinzunehmen, kann sie durchaus wirkungsvoll sein. Hier und da schwingt mal mehr, mal weniger subtil mit: Zu viel Fernsehen ist nicht gut für die Kids, schalten Sie mal wieder ab. Zum Glück liegt das Hauptaugenmerk dann aber doch auf Schock- und Slasher-Momente, die „Channel Zero“ zu einem kurzen TV-Erlebnis für zwischendurch machen.

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