Serien-Empfehlung: „Colony“

Das Wintersemester neigt sich dem Ende entgegen und das gibt mir die Gelegenheit, ein paar Serien nachzuholen – und euch hier in diesem Blog daran teilhaben zu lassen. Zum Auftakt möchte ich euch die Alien-Serie „Colony“ ans Herz legen, die aus der Feder von Ryan J. Condal und Cartlon Cuse stammt. Letzterer wirkte auch an der Mystery-Serie „Lost“ mit und das lässt erst einmal schlechte Erinnerungen hervorrufen: Muss man demnach auch bei „Colony“ mit allerlei Twists, Rätseln und Handlungssträngen rechnen, die niemals mehr aufgegriffen werden oder ins Leere verlaufen? So viel sei an dieser Stelle gesagt: Nein, das muss man zum Glück nicht. Im Vordergrund steht der ständige Konflikt zwischen Widerständlern, Kollaboraturen und dem militärischen Regime. Wie schon bei „The Walking Dead“ muss man alsbald feststellen, dass die Menschen nicht selten die größere Bedrohung darstellen als der eigentliche Feind. Zudem verschwimmen die Grenzen zwischen den vermeintlich Guten und den Bösen …

Bei „Colony“ steht die Erde unter der kompletten Kontrolle von außerirdischen Wesen, genannt Hosts bzw. Raps. Eine riesige Mauer, bei deren Anblick Donald Trump sicherlich feuchte Hände bekommen würde, trennt Los Angeles vom Rest der Welt ab. Lebensmittel und Medikamente sind rar geworden. Nachts darf niemand mehr rausgehen. Sobald die Sirenen ertönen, ist Schicht im Schacht und sollte doch jemand beim nächtlichen Spaziergang erwischt werden, kann derjenige von fliegenden Drohnen binnen Sekunden pulverisiert werden. Oder derjenige wird in die All-Fabrik geschickt und muss für die Aliens unter schwersten Bedingungen schuften. Wahrlich keine Welt, in der man gerne leben möchte – die viele Leute aber einfach hinnehmen, da sie sich einer großen militärischen Kraft ausgeliefert sehen.

Anders als beispielsweise bei „Falling Skies“, wo die verbliebenen Menschen mehr oder weniger geschlossen gegen die Aliens kämpfen, haben sich bei „Colony“ nämlich einige Menschen mit den Aliens zusammengetan und arbeiten in deren Auftrag. Kollaborateure also, die ihre eigene Spezies verraten. Deren Grundgedanke: Wenn wir alles so machen, wie die Aliens es verlangen, wird es zumindest nicht noch schlimmer. (Positiver und eigennütziger Nebeneffekt: Als Teil der Übergangsregierung mangelt es einem an nichts.) Die Rothüte – vermummte Militäroffiziere mit schwarz-roter Kleidung – halten die Schafe im Zaun. Sie unterstehen der Übergangsregierung, pro Bezirk/Block/Kolonie gibt es einen Proxy – eine Art Bürgermeister der neuen Welt, wenn man so will.

Protagonist Will Bowman (gespielt von „Lost“-Star Josh Holloway) ist in einem Zwiespalt: Er soll dem Los-Angeles-Proxy Alan Snyder (Peter Jacobson, „Dr. House“) dabei helfen, eine Widerstands-Terrorzelle zu zerschlagen. Da Will schon vor der Ankunft als FBI-Agent gut im Leute-Aufspüren war, scheint er der perfekte Kandidat für diesen Job zu sein. Im Gegenzug wird ihm sein während der Ankunft abhanden gekommener Sohn Charlie versprochen – er ist der ausschlaggebende Grund dafür, weshalb Will einwilligt und fortan für die Besatzer arbeitet. Was Will jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Seine Frau Katie (Sarah Wayne Callies aus „The Walking Dead“) ist am Widerstand beteiligt und wird recht bald Insider-Informationen an ihre Truppe weitergeben.

Nun mag man vielleicht denken, dass man die Lager Gut und Böse einfach auseinanderhalten kann. Die, die den Aliens nach der Pfeife tanzen und verheerende Entscheidungen zu Lasten der Erdbewohner treffen oder unterstützen, sind die Bösen. Und die, die sich dagegen wehren, sind per se die Guten. „Colony“ macht diesem Schubladen-Denken allerdings schnell einen Strich durch die Rechnung. Schließlich werden bei den brutalen Angriffen der Widerständler ebenfalls etliche Menschen (und wenn es „nur“ Kollaborateure sind) getötet und selbst wenn ein Angriff erfolgreich verlaufen ist: Die Macht der Aliens ist so groß, dass es sie keine Mühe kosten würde, als Gegenreaktion mit einem Fingerschnippen die ganze Welt auszulöschen oder den letzten Menschen das Leben noch schwieriger zu gestalten. Auf wessen Seite sollte man sich also stellen, welchen Preis will man zahlen? Beide Standpunkte sind irgendwie nachvollziehbar – verkörpert werden sie von Will und Katie. Egal, auf welcher Seite man steht: Für die meisten Figuren geht es um das nackte Überleben, jeder denkt letztlich zuerst an sich oder seine Familie. Da bleiben moralische Aspekte gerne mal auf der Strecke.

Bei Serienjunkies.de wird der Vergleich zu Nazi-Deutschland gezogen, den ich sehr treffend finde. Das, was bei „Colony“ zur Schau gestellt wird, gab es in anderer Form schließlich schon einmal und ist im Kern keineswegs weit hergeholt.

„Colony“ spricht fast schon eine deutliche Warnung aus, dass wir es nie so weit kommen lassen dürfen, uns von Angst, Misstrauen und reinen Selbsterhaltungstrieb steuern zu lassen. Gleichzeitig zeigen die Macher aber auch in gewisser Weise ein Verständnis dafür, wie schwer es ist, in einer Welt wie der in „Colony“ standhaft zu sein und stets seinem moralischen Kompass zu folgen.

Die erste Staffel von „Colony“ war schon sehr sehenswert, die zweite legt noch eine Schippe drauf und bietet neben mehr Action einen tieferen Einblick in das Grauen, welches seit der Alien-Invasion auf der Erde herrscht. Das dürfte mitunter am gestiegenen Budget liegen. 10 Folgen umfasst die erste, 13 Folgen die zweite Staffel.

Derzeit ist leider nur die zweite Staffel von „Colony“ über Sky Go und Sky Ticket abrufbar und selbst das nur noch bis zum 19. März. Wer logischerweise zuerst die erste Staffel sehen will, muss sich vorläufig mit Amazon Video behelfen. Im TV liefen die ersten beiden Staffeln liefen bei TNT Serie – was durchaus bemerkenswert ist, da die Serie in den meisten anderen Ländern exklusiv bei Netflix läuft. In den USA läuft „Colony“ bei USA Network, u.a. Heimatsender von Formaten wie „Mr. Robot“ oder „Suits“.

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