„Das Trödel-Duell“: Ein etwas anderes „Bares für Rares“ auf Zeit

Deutschland liebt Trödel-Sendungen – der Erfolg von „Bares für Rares“ beim ZDF beweist das sehr eindrucksvoll. Nun ist auch RTL II auf den Geschmack gekommen und möchte nachmittags mit seinem „Trödel-Duell“ punkten. Bei Quotenmeter.de habe ich meine Meinung dazu geschrieben …

Wenn es um Trödel geht, dann ist das ZDF der Vorzeigesender schlechthin: „Bares für Rares“ hat sich dort zum echten Zuschauerhit entwickelt, in diesem Jahr waren bisher 23,6 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum und rund zehn Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen drin. Während die Mainzer gegen 15 Uhr also in aller Regelmäßigkeit Erfolge feiern, ist dieser Sendeplatz ein Sorgenkind für RTL II: Jüngst ging zum Beispiel der Versuch daneben, mit „Detlef Soost“ die Daily-Talkshow wiederzubeleben. An RTL II scheint der Erfolg von „Bares für Rares“ jedenfalls nicht spurlos vorbei gegangen zu sein, der Sender möchte nachmittags jetzt ebenfalls mit Krimskrams punkten – ausgerechnet in direkter Konkurrenz zu Horst Lichters Erfolgsformat im Zweiten. Zu der etablierten Marke „Trödeltrupp“ gesellt sich von der Produktionsfirma Good Times nun eine weitere Sendung dieser Art bei RTL II:

Beim „Trödel-Duell“ haben zwei Paare 48 Stunden Zeit, um aus derselben Trödel-Location möglichst viele Wertgegenstände zu bergen und für die Besitzer zu Geld zu machen. Das Duo, das am Ende den meisten Gewinn erzielt, erhält die Siegprämie in Höhe von tausend Euro. Ein wenig kurios mutet an, dass der Erlös des verkauften Trödels hinterher die Gewinnsumme überschreiten kann – mit diesem Dilemma werden sich die Kandidaten wohl oder übel abfinden müssen.

Soweit die verständlichen und einfachen Spielregeln, die trotz ihrer Einfachheit in den ersten Minuten mindestens einmal zu viel vom Off-Sprecher wiederholt werden. Dennoch wird in den Anfangsminuten keine Zeit verschwendet, das Format nimmt relativ schnell an Fahrt auf. Es kommt daher deutlich schneller und aufregender daher als „Bares für Rares“. Durchaus ein Pluspunkt für „Das Trödel-Duell“, welches so vielleicht die Zuschauer einsammeln kann, denen das Konzept „Trödel begutachten, Trödel bewerten, Trödel verkaufen“ alleine zu öde ist.

Der erste Ort der sogenannten Schatzsuche ist das Haus von Elke, wo sich allerlei Krempel angesammelt hat. Dass ihr Ehemann vor Kurzem gestorben ist und sie dadurch Schulden geerbt hat, kommt glücklicherweise bloß nebenbei zur Sprache. Man kennt das ja inzwischen von vielen anderen Doku-Soaps: das zwanghafte Drücken auf die Tränendrüse, das Ausschlachten von Schicksalen – auf all das verzichtet man hier zumindest beim Auftakt. Genauso, wie man darauf verzichtet, die doch recht chaotischen Zimmer allzu sehr in Szene zu setzen. Der im Anschluss zu sehende „Trödeltrupp“ dürfte sich dazu eher berufen fühlen.

Mitgenommen wird von den zwei Teams alles, was man gewinnbringend an den Mann oder die Frau bringen kann: Seien es alte Lustige-Taschenbücher-Comics, Elektroscooter oder Porzellan. In einer Lagerhalle werden die Sachen ausgeladen, aufgestellt und es werden erste Käufer gesucht. Das klappt bei den Schwestern Sabrina und Julia auf Anhieb gut, fast schon zu gut. Die beiden Kumpels Tom und Basti haben es da anfangs schwerer, kommen letztendlich aber ebenfalls auf einen grünen Zweig. Anders als bei „Bares für Rares“ müssen die passenden Händler von den Teilnehmern selbst gefunden werden. Sind die Händler erstmal gefunden, gilt es zu verhandeln – ein altbekanntes Element vom (heimlichen Vorbild?) „Bares für Rares“.

Zunächst darf sich „Das Trödel-Duell“ drei Wochen lang in der RTL-II-Daytime beweisen, vorerst sind nämlich lediglich 15 Ausgaben geplant. Ob es danach weitergeht, wird selbstredend von den Zuschauerzahlen abhängig sein. Ein Zuckerschlecken wird das Duell mit „Bares für Rares“ bestimmt nicht, für leichte Abwechslung im TV-Trödel-Dschungel sorgt „Das Trödel-Duell“ trotzdem. Und es ist auf alle Fälle erträglicher, als so manche gescriptete Reality, die andernorts zu dieser Tageszeit gezeigt wird.

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