TV-Perle: „Kargar trifft den Nagel“

In diesem Jahr ist Comedy Central zehn Jahre alt geworden. Am 15. Januar 2007 ging Deutschlands erster Comedy-Sender im Free-TV on Air, als Nachfolger des Musiksenders VIVA Plus. Heute steht Comedy Central in erster Linie als Abspielstation für „American Dad“, „South Park“ und „American Dad“. Und für US-amerikanische Sitcoms. Sowie für „South Park“. Das war aber nicht immer so: Zum Sendestart gab es eine Hand voll Eigenproduktionen, eine hieß „Kargar trifft den Nagel“ und ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

„Kargar trifft den Nagel“ war eine Sketchshow der beiden Autoren Sven Nagel und Attik Kargar, die es auf insgesamt drei kurze Staffeln brachte – und am Ende aus Kostengründen eingestellt wurde. Wie so oft im Hause Viacom. Selbst Nominierungen für den deutschen Comedypreis und für die Goldende Rose hielten die Verantwortlichen nicht davon ab, den Stecker zu ziehen.

An kantigem Humor abseits des Mainstreams mangelte es „Kargar trifft den Nagel“ nicht: „Diese Osamas“ zum Beispiel nahm die Kult-Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“ aufs Korn und zeigte nicht Al Bundy als Familienoberhaupt, sondern den al-Qaida-Terroristen Osama bin Laden. In „Die Hartz IV“ stellt John McClane fest, dass sich mit keiner Arbeit mehr Geld machen lässt. „Kackarsch“ persiflierte die MTV-Stuntshow „Jackass“ und filmte professionelle Stunt-Memmen. Bei den „Dreisten Drei“ und Konsorten der großen Privatsender hätten solche Ideen sicherlich keinen Platz gehabt. Bei RTL etwa stieß der Pilot von „Kargar trifft den Nagel“auf Ablehnung, da kam der TV-Partner Comedy Central also gerade recht.

Aufsehen erregte die Sendung übrigens schon vor der Premiere – und zwar mit dem Teaser „Einmarsch in vier Wänden“, eine Parodie auf die RTL-Doku-Soap „Einsatz in vier Wänden“.

Eine einstweilige Verfügung von Tine Wittler bewirkte, dass der bereits produzierte Sketch nie über den Sender lief. Andernfalls hätte Comedy Central eine stattliche Summe von 250.000 Euro zahlen müssen. Für einen Kanal, dem man nachsagt, schon von Anfang an „so gut wie kein Geld“ gehabt zu haben, freilich zu viel des Guten. Dass „Kargar trifft den Nagel“ kein Riesen-Budget zur Verfügung hatte, merkt man an der ein oder anderen Stelle durchaus. Das schmälert jedoch keinesfalls den Spaß an dieser nach wie vor kleinen, aber feinen Sendung.

Jüngst wagte Comedy Central einen neuen Versuch, mit deutschem Programm zu punkten – auch wenn „Netz-O-Rama“ (eine Adaption der US-Show „Tosh.0“) das Rad nicht neu erfunden hat. Das „abgefahrenste Zeug aus den Untiefen des Internets“ (= das Zeigen und Kommentieren von vermeintlich lustigen Webclips) war zudem kein wirklicher Quotenrenner – besonders dann nicht, wenn man sich im Vorfeld nicht auf „South Park“ verlassen konnte (welch Ironie). Nachschub ist insofern eher unwahrscheinlich geworden. Gehört hat man ohnehin nichts mehr von dem Projekt.

Ich schau solange einfach weiter „South Park“. Oder eben alte Folgen von „Kargar trifft den Nagel“ bei YouTube. (Irgendein User hat offenbar seine DVD-Aufnahmen durchstöbert und diesen Schatz für die Nachwelt hochgeladen. Hoffen wir mal, dass dies unter uns bleibt und Viacom die Videos nicht löschen lässt.)

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